Begegnung in der Nacht (Arbeitstitel)

Es ist Nacht in der Stadt. Das Haus schläft. Nur zwei nachtschwärmende Seelen sitzen auf ihren Balkonen. Sie zieht an ihrer Ziggarette und schaut in die Dunkelheit. Sehnsüchtig. Als würde sie auf etwas warten. Er, über ihr, lehnt sich zurück und singt die ruhigen Melodien, die er aus seinem Radio spielen lässt. Träumerisch. Als ob tief in ihm etwas fehlen würde.
Unten auf der Straße fahren Autos ihrer Wege.
*He, Sie. Was ist mit Ihnen los?* fragt sie nach oben.
Die Musik verstummt.
*Haben Sie keine Angst. Ich bin`s doch nur...* sagt Sie ruhig.
Schweigen. Eine Zeit lang. Der Wind rauscht leise...
*Die Einsamkeit...* sagt Er.
Sie blickt nach oben. Das Gesicht eines jungen Mannes sieht ihr entgegen. Etwa ihr Alter.
*Kommen Sie mich doch besuchen.*meint Sie aus einer Laune heraus.*Ich kenne das Gefühl...*
Er verschwindet aus ihrem Blickfeld.
Kurz darauf läutet es bei ihr. Sie geht zur Tür.
Vor ihr steht der junge Mann. Im Morgenmantel, ein Radio in der Hand.
*Ja, leisten wir uns doch gegenseitig Gesellschaft.* meint er.
*Trinken Sie Wein?*
Er nickt und setzt sich auf den Balkon. Sie bringt ein Paar Gläser, schenkt ein, setzt sich. Gläser klingen. Sie lauschen der Musik.
*Ich liebe ein Mädchen...* fängt er an.
*Warum dann die Einsamkeit?*
*Ich werde sie nie erreichen.* Er sieht traurig aus. * Wir sind uns begegnet. Sie wollte mich, aber ich habe es nicht begriffen. Und als es doch um mich geschehen war, ist es zu spät für sie gewesen.*
Sie zündet sich eine Ziggarette an. Hält ihm die Packung hin. Er nimmt sich eine.
Sie blasen den Rauch in die Nacht.
*Das ist lange her. Ich treffe sie immer mal wieder, aber ich komme nicht mehr an sie ran. Das macht mich traurig und wütend zugleich, und deshalb die Einsamkeit.*
Sie schweigen und lauschen weiter der Musik, die in die Dunkelheit hinaus dringt.
*Geben Sie die Hoffnung nicht auf. Vielleicht wird sie noch zu Ihnen kommen.* Sie lächelt ermutigend.
*Ich glaube, das wird nie geschehen. Doch ich hoffe immer noch Sie haben recht.*
Er erhebt sich. Sie umarmt ihn zum Abschied. Tröstlich und, trotz allem, hoffnungsvoll. 

Und in der nächsten Nacht sitzen sie wieder da und vertreiben ihre Einsamkeit in ihren Herzen. Die Musik spielt leis´ und die Nacht vollbringt ihr Übriges...

14.10.16 23:24

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